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June 04 Von glücklichen MenschenVon glücklichen Menschen
1.
Sie lacht nicht, sie weint nicht. Sie meckert nicht, sie freut sich nicht. Sie sieht sich einfach nur im Spiegel an. Leute kommen und gehen. Sehen sie manchmal an. Verwundert. Es ist ihr egal. Es ist ihr egal was die anderen in diesem Moment von ihr denken oder wie sie sie beurteilen. Es ist ihr egal was diese Menschen da für sie empfinden oder fühlen. Eine Verkäuferin fragt sie, ob sie helfen kann. Sie schüttelt nur leicht den Kopf, ohne den Blick vom Spiegel zu wenden. Langsam stiehlt sich ein Lächeln auf ihre Lippen. Ein Gefühl, dass sie bisher selten in dieser Umgebung verspürt hat macht sich in ihr breit. Zufriedenheit. Langsam dreht sie sich. Hin und her. Mal langsam mal schneller. Das Lächeln wird breiter. Sie geht zur Kasse. Das Glücksgefühl wird stärker. Und als sie bezahlt, hätte sie am liebsten vor Glück geschrieen. Doch sie bleibt still. Heute will sie ihr Glück nicht teilen. Heute hat sie ihr eigenes Glück gefunden. Endlich. Endlich hat sie das perfekte Oberteil gefunden.
2. Er dreht sich zu ihr um. Da liegt sie. Sanft sieht er sie atmen. Ihre Haare sind auf dem Kissen verteilt. Wie ein Engel sieht sie aus. Er kann dem Drang nicht wiederstehen und streicht ihr vorsichtig eine Strähne aus dem Gesicht. Die ersten Sonnenstrahlen stehlen sich durch die Vorhänge. Es wird nicht mehr lange dauern da wird sie aufwachen. Ein Lächeln erscheint auf seinem Mund. Sie murmelt etwas Unverständliches und kuschelt sich in ihr Kissen. Sanft platziert er einen Kuss auf ihrer Wange und lehnt sich wieder zurück. Er fühlt wie sich ein warmes Gefühl sich in ihm breit macht. Er liegt hier. Mit der Frau seiner Träume, die nun langsam den Kopf dreht und die Augen öffnete. „Guten Morgen“, murmelt sie. Seit 49 Jahren hört er diesen Satz, und er hört sich noch immer so wundervoll an wie am ersten Morgen.
3. Nicht nur sein beschwingter Gang verrät die Euphorie, die ihn gepackt hat. Auch sein fröhliches Lächeln, welches er jedem schenkt, der seinen Weg kreuzt, zeugte von einem unglaublichen Glücksgefühl. Er hat es geschafft. Endlich, nach so langer Zeit. Jeden Tag hat er damit verbracht und nun ist er am Ziel. Nun kann er wieder ruhig schlafen, nun kann er stolz auf sich sein. Die Welt scheint ihm freundlicher, der Himmel blauer, und sogar die Menschen sind anderes. Aber wieso jetzt auf einmal? Schwebt in ihnen vielleicht die gleiche Leichtigkeit? Oder ist er es, der nun die vorbeigehenden Passanten anders sieht? Wer hätte gedacht dass eine einfache Bewegung soviel in ihm auslösen kann? Er spürt noch den kühlen, nassen und flachen Stein in der Hand. Er hat ausgeholt, so wie er es immer tat, um mit Schwung den Stein aufs Wasser aufkommen lassen. In Gedanken hat er mitgezählt. Einmal, zweimal, dreimal, viermal, fünfmal. Nun hat der Stein ein Rosenblatt übersprungen. Sechsmal, siebenmal, acht, neun, ZEHN und der Stein versank. Hinterließ kleine Kreise auf dem Wasser und einen erschrockenen Frosch. Und er, er schrie, jubelte und sprang in die Luft. Er freute sich, genau wie es sich für einen 10 Jährigen Jungen gehört.
4.
Sie kann es immer noch nicht glauben. Jedes Mal wenn sie daran denkt, macht sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht breit. Es ist einfach ein tolles Gefühl. Ein Gefühl das ihr niemand nehmen konnte. All ihre Träume und Wünsche scheinen nun erreichbar zu sein. Hier im Bus sitzen Menschen. Keiner von ihnen lächelt. Sie scheinen traurig zu sein. Oder vielleicht doch nicht? Vielleicht fühlen sie ja dasselbe und wollen es nur nicht zeigen, vielleicht wissen sie nicht wie damit umzugehen. Sie jedoch weiß es ganz genau. Genießen. Sie geniest dieses Gefühl in vollen Zügen. Keiner kann ihr in diesem Moment das nehmen, was sie nun hat. Er hat ihr zugelacht. Ihr ganz alleine, als er ihr die Rechnung für den tollsten Füller der Welt gab. 5.
Er ist aufgeregt. Nervös. Voller Erwartungen und Ängste. Seine Hand ist auf dem Weg zu der Türschnalle. Er weiß nicht was ihn dahinter erwartet. Es gibt kein zurück mehr. Seine Hand zittert etwas, als sie die Türschnalle erreicht hat. Wenn er sie jetzt niederdrückt, ist es aus, das weiß er. Dann wird er sehen wohin ihn sein Weg geführt hat. Die Unsicherheit ist nun Stärker denn je, doch er will sie sic nicht anmerken lassen. Er atmet tief ein und versucht sich zu beruhigen. Es gelingt im halbwegs und nun fühlt er sich einigermaßen sicher. Er drückt langsam die Türschnalle hinunter und öffnet die Tür. Die Sonnenstrahlen, die durch die großen Fenster in den Raum dringen, blenden ihn im ersten Moment. Er hört wie sich die Stühle bewegen und eine Welle des Stolzes bäumt sich in ihm auf. Er hat es geschafft. Ein „Guten morgen, Herr Professor!“, heißt ihn willkommen, in der neuen Welt als Lehrer.
6.
ICH LEB’ WEISS NICHT, WIE LANG; ICH STERB’ UND WEISS NICHT, WANN; ICH GEH’ UND WEISS NICHT, WOHIN: MICH WUNDERT, DASS ICH TROTZDEM GLÜCKLICH BIN! (Alte Weisheit)
Voller LebenMein Leben
Ich liege da,
still.
Sehe in den Himmel,
überwältigt.
Die Unendlichkeit sieht auf die Welt,
sieht auf mich.
Ich schliesse die Augen,
lasse mich fallen,
wohl wissend,
dass diese Schwerelosigkeit irgendwann ein Ende hat.
Doch das zählt nicht.
Das einzige, was jetzt wichtig ist bin ich,
ich und mein Leben.
Und ich fühle es,
in jeder Ader meines Körpers,
in jedem Schlag meines Herzens,
in jedem Flügelschlag meiner Seele.
Mein Leben.
Mit geschlossenen Augen Ich stehe da. Lausche dem Gang der Zeit, höre die Melodie der Erinnerungen. Ich sehe die Zukunft vor mir und begreife, wie ungewiss sie ist. Mir wird klar, welche Hoffnung sie in die nächste Generation legen, wenn ich in ihre Gesichter sehe. In Mitten der Menschenmenge schlisse ich meine Augen, lasse die Stimmen mich durchdringen, vergesse für einen Moment das klagende Stöhnen meiner Seele. Ich lasse meine Gedanken fliegen, höre in mich hinein. Ein Mann rempelt mich an, schnauft genervt und geht weiter, ohne ein Wort. Traurig sehe ich ihm nach und schlisse erneut meine Augen. Worte, sagt man eines zuviel, so können sie einen Menschen töten, sagt man zu eines zu wenig, kann dasselbe geschehen. Als verbale Gewalt wird es bezeichnet. Gewalt. Ich denke an den Irak. Ich denke an Krieg, an die Soldaten. Bilder schiessen mir durch den Kopf. Jeden Tag in den Zeitungen. Ein dumpfes Gefühl macht sich in mir breit. Ich sehe sie, weiss, dass sie grausam sind, erkenne was falsch daran ist, doch wirklich fühlen tu ich nichts mehr. Ich nehme es hin mit der Erkenntnis, dass sich sowieso nicht ändert. Ich versuche meine Umgebung zu fühlen, versuche ihren Herzschlag wahrzunehmen, doch alles was ich höre sind ihre Schritte.
Schweigen
Ich sitze dir gegenüber. Schweigend. Ungeduldig? Nein, zufrieden, entspannt. Ich lächle. Du siehst mich verwundert an, lächelst zurück, stellst keine Fragen. Ich stehe neben dir. Schweigend. Wartend? Nein, genießend, beruhigt. Ich gähne. Du siehst mich an. Verständnisvoll, Anteil nehmend. Verstehst ohne Worte. Ich rede mit dir. Erzähle uninteressantes, unwichtiges, unnatürliches. Du schweigst und hörst zu. Schweigen kann man nicht mit vielen Menschen. Ohne Worte kommen viele nicht aus. Auch wir nicht, doch unsere Worte drücken sich in Gesten aus. Unsere Freundschaft in Umarmungen, unsere Gefühle in den Augen, unser Vertrauen in unserem Schweigen.
Zeit
Ich brauche Zeit, um mich zu finden. Ich brauche Zeit, um mich zu verstehen. Ich brauchen sie, kann nie genug von ihr bekommen. Ich verlieren sie, mit jeder Sekunde, die ich verschwenden. Doch sie ist nicht umsonst, wenn ich am Abend in den Spiegel sehen kann, und stolz bin, auf die Person, die mir entgegen sieht. Die Sekunden vergehen, nichts ist unendlich, doch das hier, das ist alles viel Wert, denn es sind diese Moment, die ich nie vergessen werde. Meine Zeit ist beschränkt, doch jeder Augenblick, der vergeht, macht sie wertvoller und kostbarer. Und das ist gut so, ich brauch diese Wertvolle Zeit, um alles zu sein.
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Für mine Mum/ For my Mum.
Wie Wasser
Deine Worte,
sanft und warm,
umhüllen mich,
erfrischen mein Gemüt,
wie Wasser waschen sie mich rein.
Deine Berührungen,
liebevoll und herzlich,
tragen mich,
erneuern meine Kraft,
wie Wasser beleben sie mich.
Du,
für immer mit mir verbunden,
ich brauche dich,
du gibst du mir jeden Tag von neuem Leben,
wie Wasser schenkst du mir meine Sekunden.
Wie Wasser,
deine Worte,
deine Berührungen,
Du,
lebenswichtig, unersetzlich,
meine Mutter. |
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